Eine illegitime Kunst

Pierre Bourdieu; Luc Boltanski; u.a.

Eine „illegitime Kunst“ nennen Bourdieu und seine Mitarbeiter die Fotografie. In der Tat gilt sie als „Zwitter“: als Alltagshandlung mit dem Anspruch einer Kunstanstrengung. Was aber geschieht wirklich, wenn fotografiert wird? Welchen Zwecken gehorcht die Fotografie? Sind Fotografien „Bilder“ in dem strengen Sinne, mit dem dieses Wort in aller Regel ausgestattet wird? Und welche stillschweigenden oder ausdrücklichen Vorsätze steuern den technischen Apparat, wenn ein Foto „geschossen“ wird? 

 

In diesem Buch wird die Fotografie unter dem Gesichtspunkt ihres Gebrauchswertes untersucht. Denn es ist, wie Bourdieu sagt, der Gebrauch, der ihre Bedeutung konstituiert, eine soziale Bedeutung: Aufbewahrung von für belangvoll gehaltenen Ereignissen, Verständigung über Lebenszusammenhänge, Artikulation und Markierung von Erfahrungssegmenten. Dies erklärt sowohl die Verbreitung des Mediums als auch die Uniformität der Bildmotive. Und es erklärt den besonderen Status des Fotografierens innerhalb der kulturellen Alltagstätigkeiten – es signalisiert eine kodifizierte Verhaltensweise, die „den Anspruch erhebt, Kunst zu sein“. 

 

Pierre Bourdieu (1930 – 2002) war einer der bekanntesten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl am Collège de France. Seine soziologischen Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert. Er war bekannt als politisch interessierter und aktiver Intellektueller, der sich gegen die herrschende Elite und den Neoliberalismus wandte.

 

 

Luc Boltanski (1940) war zunächst Schüler von Pierre Bourdieu und etablierte eine eigene Soziologie der Kritik. 1984 gründete er die Groupe de Sociologie Politique et Morale an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

 

Reihe: 
eva-taschenbücher
Seiten: 
334
Einband: 
Taschenbuch
ISBN: 
978-3-86393-050-9
Preis (Print): 
24,- €
Ebook ISBN: 
978-3-86393-525-2